Sebastian Hocke
Mötzower Landstraße 43
14776 Brandenburg
Martin Bauch
Rathenower Straße 9
14770 Brandenburg
Brandenburg, den 18.05.2010
Sehr geehrte Fraktionsvorsitzende der SVV Brandenburg an der Havel,
in der kommenden SVV am 26.05.2010 wird eine entscheidende Beschlussvorlage durch die Fraktion Die Linke eingebracht werden. Diese fordert Sie dazu auf, die Verwaltung der Stadt zur Zahlung der ausstehenden Fördermittel an die Jukufa zu drängen. Wir möchten Ihnen nahelegen, dieser Vorlage parteiübergreifend und in geschlossener Fraktion zuzustimmen.
Gegenwärtig wird durch die Verwaltung ein verzerrtes Bild des Vereins und seiner Arbeit dargestellt. Alle Auflagen wurden erfüllt, die für eine Zahlung Bedingung sind. Auch der Wirtschaftsplan mit der Trennung von förderfähigen und nicht förderfähigen Projekten und Veranstaltungen wurde eingereicht. Da es aber gegenwärtig kein transparentes, nachvollziehbares System für Kriterien, die über die Förderfähigkeit entscheiden, auf Verwaltungsseite gibt, ist nicht abzusehen, ob dies nicht wieder in endlosen Diskussionen enden wird. Hier herrscht bisher Amtswillkür. Da sind Liedermacherabende förderfähig, andere Konzerte aber nicht. Da sind kleine Bands plötzlich nicht mehr förderfähig, die ein einziges Mal ein kleines Auftrittshonorar erhalten haben. Unsere eigene Arbeit als Lokalsatiriker, als Autoren und Mentoren für künstlerischen Nachwuchs, als Jugendtheatermacher wird in Frage gestellt, nur weil wir als Anleiter inzwischen selbst 27 Jahre alt und damit keine Jugendlichen mehr sind. Obwohl die Zielgruppe der Veranstaltungen weiterhin Jugendliche bleiben, die in kreativer Arbeit gefördert werden.
Statt den gesamten Prozess aber abzukürzen und aus Verwaltungssicht einmal klare Kriterien für Förderungen zu benennen, wird diese Tätigkeit auf den Träger abgewälzt, um ihn anschließend wieder vorzuführen. Hier wird systematisch auf die Insolvenz der Jukufa hingearbeitet. Die Fachverwaltung scheint aus unserer Sicht keine sachliche Auseinandersetzung mehr mit der Jukufa führen zu können.
Wir wenden uns an Sie als Fraktionsvorsitzende, die wir im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe Vogel & Vrei als achtbare Diskussionspartner erlebt haben. Als Menschen, die sich für unsere Arbeit interessieren und sich Auseinandersetzungen argumentativ stellen. Herr Paaschen, wirken Sie unserem Eindruck entgegen, dass Ihre Fraktionsmitglieder in der Diskussion durch persönliche Ressentiments befangen sind! Herr Holzschuher, rufen Sie Ihre Fraktion zu einer geschlossenen Haltung im Sinne Ihrer immer wieder zu Recht geforderten Jugend- und Kulturarbeit in Brandenburg auf! Herr Förster, überzeugen Sie die Mitglieder der SVV, dass die durch Ihre Fraktion eingebrachte Vorlage nicht nur von vernünftigen Erwägungen und Argumenten getragen wird, sondern auch die richtige Entscheidung für die Jugend und Kulturlandschaft der Stadt ist! Frau Lang, nutzen Sie ihr ganzes Engagement und Ihre von uns hoch geschätzte Aufgeschlossenheit für eine angeregte Auseinandersetzung in Ihrer Fraktion mit dem Verwaltungsgebaren! Herr Nowotny, stehen Sie für das liberale Prinzip der Entbürokratisierung ein, um der Verwaltung klare Entscheidungskriterien an die Hand zu geben!
Wir wenden uns nicht allein als politisch und rechtlich aufgeklärte Brandenburger an Sie. Wir wenden uns als Autoren und Darsteller, als national und international ausgezeichnete Filme- und Hörspielmacher, als praktizierende Medien- und Theaterpädagogen an Sie.
Eine Entwicklung wie unsere wäre ohne die Arbeit der Jukufa undenkbar. Ohne die Jukufa, mit ihren heutigen Mitgliedern, denen Unfähigkeit in der Jugendkulturförderung vorgeworfen wird. An keinem Ort dieser Stadt durften wir als Jugendliche so unbefangen Erfahrungen machen. Nirgends hat man uns soviel Vertrauen entgegengebracht, eigenverantwortlich arbeiten zu können. Ohne die Unterstützung der Jukufa wäre unseren Gedanken und unserer Kreativität der Weg in die Öffentlichkeit wesentlich erschwert oder sogar unmöglich gewesen. Denken Sie auch an den erfolgreichen Nico Dietrich, der über Jahre am renommierten Deutschen Nationaltheater in Weimar als Regisseur arbeiten durfte. Auch weil er zuvor durch die Jukufa einen geschützten Raum erhalten hatte. Denken Sie auch an den Filmemacher Martin M. Meier, der mit dem Musical-Projekt „Zartbitter“ vor Jahren eine für Brandenburg beispiellose kreative Werkstatt für Jugendliche anleitete. Denken Sie auch an die zahlreichen Musiker wie Sebastian Block, oder Bands wie Nikaya, die sich einen weit über die Stadt hinaus greifenden Ruf erarbeitet haben. Denken Sie an die kompromisslose Unterstützung der Jukufa für andere Kulturschaffende wie den Verein Lauschkultur. Denken Sie an jene, die wie wir in Brandenburg bleiben wollen, aber sich ohne dieses Haus mit genau diesem Träger zur Abwanderung genötigt fühlen. Bestätigen Sie durch Ihre Präsenz und Ihre Stimme die Vorlage – 208/2010!
Sebastian Hocke & Martin Bauch